Wie die Tränen meine Freunde wurden

Als Kind war ich nah am Wasser gebaut. Ich habe oft geweint und war schnell als Heulsuse verschrien. Und je mehr mich die Erwachsenen versucht haben zu trösten, umso mehr haben mich die Kinder verspottet – ein Teufelskreis.

Aus dem Teufelskreis bin ich erst raus gekommen, nachdem ich mir irgendwann verboten habe zu heulen und ich es mir regelrecht abgewöhnt habe. Das hat mich hart gemacht – hart gegen mich selbst und hart gegen mein Umfeld. Erst jetzt weiß ich, dass ich mir damit auch ein Stück meiner Lebendigkeit genommen habe. Ich habe früher heulen immer als Schwäche angesehen und ich wollte nie mehr schwach sein.

Weinen wird oft als Schwäche angesehen, dabei gehört es zum Leben dazu wie das Lachen.

An anderer Stelle habe ich schon über die Depressionen geschrieben, an denen ich gelitten habe und das sich erst eine Besserung gezeigt hat, nachdem ich angefangen habe selbst aktiv zu werden. Erst von dem Zeitpunkt an habe ich aufgehört, nur zu funktionieren, ich habe angefangen auf mich und meine Gefühle zu achten und bin endlich raus gegangen und habe nach Menschen und Aufgaben gesucht, die mir Freude machen und die mir helfen das positive Lebensgefühl zurück zu bekommen.

Die Tränen kamen zurück, als ich angefangen habe Gefühle nicht mehr zu verdrängen

Nach und nach konnte ich durch Dinge, die mir Freude gemacht haben – z.B. Lachyoga und die Beschäftigung mit mir selbst, wieder Gefühle und vor allem wieder Tränen zulassen. Bei Menschen, denen ich vertraut habe, konnte ich dann sehr schnell weinen. In der Öffentlichkeit und bei manchen Menschen, die ich beeindrucken wollte und bei denen ich noch Angst hatte mich so zu zeigen wie ich bin, dauerte es noch eine ganze Weile bis ich mir erlaubt habe zu weinen. Heute geht auch das ….

Jetzt ist jede Träne willkommen

Heute laufen mir oft die Tränen und ich darf überall authentisch sein und weinen. Mein Umfeld reagiert manchmal etwas hilflos, dann sage ich: „Lasst mich einfach mal weinen, das ist jetzt gerade wichtig für mich.“ Und nachdem ich mich nicht mehr gegen die Tränen wehre, tut weinen gar nicht weh und ich sehe ich danach auch gar nicht mehr so schrecklich verheult aus. Und ich habe gemerkt, dass sich auch mein Lachen verändert hat. Ich kann jetzt mit viel mehr Freude lachen, ich bleibe auch beim Lachen nicht mehr nur an der Oberfläche – Lachen und Weinen bedingen sich gegenseitig.

Darf man in der Öffentlichkeit weinen, wenn man eine Lachschule hat?

Eine lustige Anekdote zum Thema Weinen und Lachschule habe ich noch. Ende letzten Jahres war ich zu einem Frauen – Seminar bei dem mir von der ersten bis zur letzten Minuten die Tränen gelaufen sind. Während den Pausen kamen schon Frauen auf mich zu und meinten, es wäre so toll, dass bei mir gerade etwas ins Fließen kommt. Mir war es eher peinlich, aber ich habe es in dem Moment für mich so angenommen. Mit einer Frau bin ich dann nach dem Seminar zu den Autos gelaufen. Nachdem sie mein Auto gesehen hat, meinte sie: „Oh, das ist ja toll Sie haben eine Lachschule …“ und ich antwortete: „Ja und hier im Seminar habe ich die ganze Zeit nur geweint …“ und sie bestätigte mir: „Genau das habe ich gerade gedacht“. Ist doch witzig, welche Vorurteile wir teilweise haben.

Weinen und Lachen gehören zusammen – wie oben und unten – rechts und links

Früher habe ich auch gedacht, dass Weinen und Lachen sich ausschließen. Heute weiß ich, dass Beides zusammen gehört und es fühlt sich für mich gut an, wenn Beide einen Platz in meinem Leben haben. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich mir meine Tränen zurück erobert habe, auch wenn es manchmal ziemlich weh getan hat. Heute bin ich stolz darauf, manchmal eine Heulsuse zu sein. Ich denke heute, dass es immer darauf ankommt, was sich für mich gut anfühlt und manchmal ist es lachen und manchmal weinen und wenn Beides aufeinander trifft, entsteht ein Regenbogen.

Natürlich gibt es dafür auch eine Lachübung: Weinen oder Lachen – das ist hier die Frage ….

Lacht und weint gut!
Eure Carmen

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