Du warst für mich austauschbar

Diese Worte hat – ein mir sehr wichtiger Mensch – vor gar nicht langer Zeit zu mir gesagt und sie haben einen tiefen Schmerz bei mir ausgelöst. Bin ich wirklich austauschbar?

„Du warst für mich austauschbar“ – da standen die Worte im Raum und ich war wie erstarrt. Ich konnte gar nicht darauf reagieren und erst später regte sich bei mir ganz heftig ein Widerstand …

Können Menschen austauschbar sein? Kann/sollte man nicht nur Dinge austauschen? Vielleicht Teppiche, die Flecken hatten oder Möbelstücke, die kaputt sind? Würde ich irgendwen in meinem Leben austauschen wollen? Meinen bezaubernden Enkel, meine kritische Tochter, den nervigen Nachbarn oder die launige Chefin? Keinen von denen würde ich jemals austauschen wollen – Jede / Jeder war doch für etwas gut in meinem Leben.

Bei meinen Arbeitgebern und Kunden hatte ich immer wieder erlebt, dass Jede / Jeder ersetzbar war, oft war ich als Freelancerin, die die Jemanden ersetzte. Warum traf mich diese Aussage: „Du bist austauschbar“ so arg? Was war da bei mir passiert? Selbst jetzt einige Monate später laufen mir regelmäßig die Tränen, wenn ich nur daran denke, dass es einen wichtigen Menschen in meinem Leben gibt, für den ich austauschbar bin.

Das ich bei diesen Worten immer noch so einen starken Schmerz spüre, kann nur mit meiner Vergangenheit zusammen hängen. Ich bin unerwünscht zu Welt gekommen – weder mein Vater noch meine Mutter wollten mich und für meine Brüder (8 und 10 Jahre älter) war ich sicher oft ein lästiges Anhängsel. Als ich vier Jahre alt war verschwand dann mein Vater ganz aus meinem Leben und ich habe erst 50 Jahre später erfahren warum. Meine Mutter spricht heute nur darüber, was er für ein Ungeheuer war. Ist das der Schlüssel zu diesem Schmerz?

Ich habe mein Leben doch im Griff, seit 11 Jahren bin ich erfolgreich selbstständig und meistens bin ich gut drauf. Aufgrund meines Lachtrainings habe ich gelernt auch in nicht so schönen Momenten zu lachen und ich lache auf jeden Fall mehr als Andere und trotzdem scheint es in mir einen verletzten Anteil zu geben, den diese Worte: „Du warst für mich austauschbar.“ bis ins Mark getroffen haben, denn selbst heute viele Wochen später tut es noch weh.

Mein Vater hat mich damals gegen eine neue Familie ausgetauscht. Ich habe nie wieder was von ihm gehört. Wo habe ich heute immer noch Angst austauschbar zu sein? Warum fühle ich mich schlecht bei dem Gedanken ausgetauscht zu werden? Noch habe ich keine Lösung – ich weiß das auch diese Gefühle von mir gefühlt werden wollen. Und nach 30 Jahren in denen ich mir verboten habe zu weinen, wollen noch einige Tränen geweint werden.

Ich werde nichts an mir austauschen lassen – keine Ecken und Kanten, keine Rundungen, keinen verletzten Anteil und keine Macken, denn ich liebe mich – jeden Tag etwas mehr – so wie ich bin. Ich bin dankbar für jede Begegnung in meinem Leben und ich bin auch weiterhin der Meinung nur Dinge sind wirklich austauschbar.

Herzlichst

Eure Carmen

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